Spitz Newsletter

Oktober 2006

 
Dieser Spitz-Newsletter ist gedacht für Spitzliebhaber, Züchter und Deckrüdenhalter, die regelmässig über aktuelle Themen informiert werden wollen. Er gibt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Verfasser wieder.
 
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Was war in Hünxe ?
 
Am Samstag, 02.09.2006 fand in Hünxe ein Treffen von Züchtern und Rassebeauftragten statt.
Aus dem DDS 192 war zu entnehmen:
Einladung zu einem Treffen von Züchtern und Rassebeauftragten  ab 10.00 Uhr
Ab 14.00 Uhr Treffen des "Zuchtausschusses" mit Frau Dr. Eichelberg und Herrn Pohling (VDH)
Thema sollte u. a. die Erarbeitung von Anträgen für die Generalversammlung 2007 sein.
 
Warum traf sich die Zuchtkommission?
Die Rassebeauftragte der Mittelspitze, Frau Fischer hatte am 01.02.2006 um dieses Treffen gebeten. Es war das erste Treffen der Zuchtkommission seit ihrer Einführung im Jahr 1996. Die Zuchtkommission besteht lt. Satzung §26 aus dem 1. Präsidenten, dem Hauptzuchtwart, dem Leiter des Zuchtbuchamtes und jeweils einem Züchter der 5 verschiedenen Varietäten Deutscher Spitz.
Man traf sich, um aktuelle Probleme in der Spitzzucht und eine noch offene Aufgabenstellung der letzten GV zu erarbeiten.  
 Im GV-Protokoll von 2004 heißt es:
"Die Zuchtkommission wird beauftragt, die im Standard unter "andersfarbiger" Spitz aufgeführten Farbtöne mit der aktuellen Zuchtsituation abzugleichen und ggf. der nächsten Generalversammlung eine Abänderung oder Erweiterung vorzuschlagen".
 
Um es gleich vorweg zu nehmen, das  Ziel: Antrag/Anträge für die GV 2007, Erweiterung des Standards bezogen auf die Farben  wurde nicht erreicht.
 
Das Treffen:
Herr Machetanz hatte den Vorsitz übernommen und ließ der Reihe nach die Rassebeauftragten berichten. Vormittags war Frau Lauermann noch nicht angereist. Frau Körner ließ sich durch Frau Boll-Angenendt vertreten.
Leider war wenig Gelegenheit mit den Rassebeauftragten Einzelgespräche zu führen. Allerdings waren auch nur wenige Interessierte der Varietäten angereist. Diese Wenigen baten darum, am Nachmittag anwesend sein zu können, um ebenfalls Informationen aus erster Hand zu bekommen. Man einigte sich dahingehend, dass die Besucher nur als Zuhörer ohne Rederecht zugelassen würden. Im Verlaufe des Nachmittags wurde dies zumindest bei einer Wortmeldung deutlich umgesetzt.
Frau Dr. Eichelberg und Herr Pohling begrüßten die Anwesenden und erklärten, dass Sie sich über dieses erste Kennenlernen freuten und Lösungen bei den Problemen nicht sofort zu erwarten seien. Die  beiden großen Themen waren: Alopezie X und Farbzucht.
 
Alopezie X:
Frau Dr. Eichelberg stellte fest, dass es momentan keine Heilung für von Alopezie betroffene Tiere gibt. Es findet ein Forschungsprojekt an der Uni Bern statt, mit dem Ziel, den genetischen Marker zu finden, um dann Anlage- und Merkmalsträger zu erkennen und entsprechende Entscheidungshilfen für die Weiterverpaarung zu erhalten. Krankheitsbilder zeigen sich oft erst, wenn bereits weiterer Nachwuchs vorhanden ist, der evtl. ebenfalls schon in der Zucht steht. Um bei der Alopezie schon jetzt die Spitze des Eisberges zu nehmen, schlug sie vor, dass eine Begutachtung aller Hunde, die im laufenden Jahr in der Zucht eingesetzt werden sollen, stattfinden solle. Dies könnte durch dermatologisch angeleitete Tierärzte, z.B. auf VDH-Zuchtschauen (ähnlich DOK) erfolgen. Hunde, die einen Verdacht auf die Erkrankung erkennen ließen, wären  für die Weiterzucht zu sperren.
Mit dieser Maßnahme könnten so die Merkmalsträger und somit die dominant vererbenden Tiere "gesperrt" werden. Der Vorschlag, den Check durch die Zuchtwarte vornehmen zu lassen, wurde abgelehnt, mit dem Einwand, dass diese "alle unzuverlässig" seien. Frau Dr. Eichelberg hielt die Richter mangels spezifischer tierärztlicher Kenntnisse für unqualifiziert.
Die Akzeptanz der Entscheidung wäre bei einem ausgebildeten Tierarzt sicher höher.
 
Farbzucht:
In der Einleitung zu diesem Thema stellte Frau Dr. Eichelberg die Frage: Was macht eigentlich den Spitz aus?
O.K. den Dalmatiner macht der weiße Hund mit der Tüpfelung aus. Ist die Farbe ein charakteristisches Merkmal der Rasse Spitz? Natürlich ist es Sache des standardgebenden Zuchtvereines, zu definieren welche Farben erlaubt sind. Sie wies auf die Bestimmungen der F.C.I hin.

Für mich sind Farben eine persönliche Sache und der Geschmack kann sich ändern. Er kann von Trend, Mode und Stimmung abhängig sein.

In diesem Zusammenhang ein Auszug der allgemeinen Bestimmungen der F.C.I / VDH - Zuchtordnung

Art.10 - Ethischer Kode:
"Die Zucht und Entwicklung von Hunderassen muss auf langfristigen Zielsetzungen und soliden Grundsätzen beruhen, so dass die Zucht keine kranken Hunde, Hunde  mit Verhaltensmängeln oder Hunde mit Verlust an Gebrauseigenschaften erzeugen. Ziel des Züchtens muss sein, dass die genetische Vielfalt der Rasse bewahrt, und wenn möglich erweitert wird."
VDH-Zucht-Ordnung §2.4.: "Paarungen von Farbvarianten dürfen von den Rassehunde-Zuchtvereinen ohne genetische Begründung nicht untersagt werden, es sei denn, diese würden durch Bestimmungen der F.C.I ausgeschlossen."

Ihr Eindruck bezogen auf den Spitz ist, dass wir aufgrund des kleinen genetischen Pools eine Öffnung anstreben sollten.

Bei der Öffnung der Farben würde als Konsequenz das CACIB (pro Farbe) wegfallen, also für jede Varietät  würde ein CACIB vergeben. Im Ring kann trotzdem nach Farben getrennt gerichtet werden, mit Vergabe des CAC, oder auch hier nur eine CAC-Anwartschaft (Entscheidung auf der GV 2007, Anträge?). Die F.C.I ist interessiert nur ein CACIB pro Varietät zu vergeben.

Es wurde über die Möglichkeit  gesprochen,  z. B.  4 oder 5 festgelegte Farben frei zu geben  (z.B. schwarz, braun, weiß, orange) und diese untereinander zu verpaaren. Welche Konsequenzen hat dies? Werden dann nur die 4  oder 5 definierten Farben zur Weiterzucht genehmigt? Die  dann Andersfarbigen würden  einen Vermerk in die Ahnentafel bekommen, die eine Weiterzucht ausschließt. Das kann nicht im Sinne der genetischen Vielfalt sein.
Sind "bunte" Hunde minderwertig? Sicher nicht, denn hier ist mehr genetische Vielfalt zu erwarten. Sinnvoll ist es sich mit den Mendelschen Grundlagen vertraut zu machen und seine (Farb-)ziele zu kalkulieren. Also nicht einfach drauflos, sondern planvoll und mit Augenmaß.
Frau Dr. Eichelberg stellte richtig, dass die Schecken keinen Merlefaktor haben und auch keine spezifischen Krankheiten in die Zucht tragen.
 
Eine andere Möglichkeit, den Genpool zu erweitern, wäre eine von der Zuchtlenkung des Vereines mit VDH-Zuchtkommission und Wissenschaftlichem Beirat abgestimmte Zucht. Dies bedeutet, dass jede größen- oder farbübergreifende Verpaarung lange vorher (Monate) beantragt werden muss. Über mehrere Jahre wird die Nachzucht (komplett) begleitet und begutachtet. Jede weitere Verpaarung zieht wieder ein Genehmigungsverfahren nach sich (nach Frau Dr. Eichelberg sind die Auflagen höher als bei einer Registerverpaarung).
Zur letzten Zuchtwartetagung im September 2005 wurde von der Rassebeauftragten Frau Körner ein Brief  mit einer Unterschriftenliste von Zwerg-Spitzliebhabern, Haltern und Züchtern vorgelegt, die um Aufnahme von weiteren Farbschlägen in unserem Rassestandard baten. Gemäss unserer Satzung ist es leider den einzelnen Rassebeauftragten nicht gestattet, Anträge zu stellen.
 
Warum ist genetische Vielfalt so wichtig? Sie dient als "Prophylaxe", um eine Rasse nicht in Gefahr zu bringen.
Durch die Reinerbigkeit auf wenige Zuchttiere kommt es zu radikalem Genverlust, der zu einer Gefährdung der Rasse führt. Bevor es die DNA-Analyse und die Möglichkeit z.B. der Clusterstudie gab, wurden als Orientierungshilfe zwei Schätzwerte verwandt: Die Berechnung des Inzuchtkoeffizienten und des Ahnenverlustkoeffizienten. Da es sich um Schätzwerte handelt, konnte es zu falschen Schlüssen kommen. (Hierzu sehr empfehlenswert der Artikel in der GKF Info 23 von Frau Dr. Eichelberg: Genetische Vielfalt - Untersuchungen an ausgewählten Hunderassen, oder die Seite der Uni Kassel: http://wwwuser.gwdg.de/~ipfeiff/forschung.htm
 
Inzucht: Die Zucht mit eng verwandten Tieren. Hier werden nicht nur die erwünschten Merkmale und Eigenschaften hervorgeholt.
Inzucht bedeutet jedoch nicht in jedem Falle erhöhte Krankheitsgefahr, sondern vor allem Vitalitätsverlust. Dieser äußert sich z.B.:
- schnelleres Altern, geringere Lebenserwartung, geschwächtes Immunsystem, Krankheitsanfälligkeit, Deckunlust, Läufigkeitsstörungen,Trächtigkeitsstörungen, geringere Wurfgrößen, Missbildungen, ängstliche,  aggressive, "nervöse" Tiere, plötzlicher Tod, geringere Lebenserwartung u.a.

Einer der nächsten Newsletter wird sich näher mit den wissenschaftlichen Unterstützungen der Spitzzucht (Clusterstudie in Kassel und Alopezie X Forschung in Bern) befassen und Artikel, wie z.B. Ist der Papillon an allem Schuld? Weitere Themenvorschläge nehmen wir gern unter feedback@spitzinfo.de entgegen.


Mit wedelnden Grüßen aus dem herbstlichen Schleswig-Holstein

Annette L. Beck


 
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