SPITZ Newsletter

2 / 2007

 
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Das Gerücht:                 Der Papillon

 

 
ist an allen Schecken schuld!

  
Glauben Sie das wirklich?

 

Die Geschichte des Spitzes ist lang. Und wenn man ihr nachgeht findet man zu jeder Zeit auch Spitze mit geflecktem Fell.

  Dieses Gemälde zeigt Fino, den Lieblingsspitz des Prinz of Wales. Fino war übrigens ein großer Spitz. Der Maler diesen Bildes lebte von  1724 bis 1803 und hieß Georg Stubbs.

 

 Auch auf diesem alten Gemälde finden wir einen gescheckten Spitz einträchtig versammelt mit den Farben weiß, schwarz, braun und orange.

 In seinem Buch „Die Deutschen Hunde“ schreibt Richard Strebel im Jahre 1904: „Die Farben waren wohl schon immer vielseitig, so erwähnt Reichbach 1836 bereits weiß, isabellfarbig, seltener braun, schwarz oder gefleckte.“

Von 1906 bis 1958 ließ der Standard des Deutschen Spitzes ausdrücklich alle Farben – auch die Schecken – bei den beiden, damals gezüchteten Varietäten zu.

Im Jahr 1974 begannen die Engländer mit der Zucht Deutscher Spitze, nachdem es zuvor nur Pomeranian und Keeshond auf der Insel gab. Sie importierten zunächst einen schwarzen und drei weiße Kleinspitze. Aus der Verpaarung schweiß x schwarz fiel ein gescheckter Welpe.

Auch bei uns erlaubt der Standard für die kleineren Varietäten des Deutschen Spitzes wieder die gescheckte Variante. Allerdings scheint es manchmal, als wäre das Wort „Weißträger“ ein Schimpfwort. Was also ist dran an den Flecken im Fell?

Bereits der Ahnherr unserer Hunde – der Wolf – weist zahlreiche Farben und Farbschattierungen von schwarz, graugewolkt mit mehr oder weniger beigebraun Einfärbung bis zur weißen Farbe auf. Auffällig ist dabei, dass die Farbe je nach Lebensraum der Tiere variiert. In südlichen Wüstenregionen herrscht ein beige-graugewolkt vor während in arktisch eisigen Regionen die Weißtöne anzutreffen sind. Der Wolf als Jäger ist darauf angewiesen sich seiner Umgebung möglichst gut und unauffällig anzupassen. Ein in der Natur häufig anzutreffendes Prinzip. So hat die Natur auch viele bunte Tiere in scheinbar auffälligen Farben oder Mustern hervorgebracht – gestreifte Tiger und Zebras oder getupfte Leoparden. In ihrem jeweiligen Lebensraum haben sich diese Farben und Muster als am erfolgreichsten herausgestellt und nur der Erfolg des Überlebens zählt in der Natur.

Hält und züchtet man wilde Tiere unter menschlicher Obhut, so stellt man häufig fest, dass bei vielen Gattungen auch Exemplare mit weißen Partien im Fell oder gar gänzlich weiße Tiere vorkommen ( z.B. weiße Tiger und Löwen, Albinohirsche, Enten oder Amseln mit weißen Federn ). Diese Tiere stechen besonders ins Auge. In der Natur ein Makel, macht dieser Umstand doch ein verstecken oder unbemerktes anschleichen sehr beschwerlich wenn nicht gar unmöglich. In der Natur ist diesen „Abweichlingen“ daher selten Erfolg und damit ein langes Leben und die Möglichkeit der Fortpflanzung gewährt. Erst durch die Veränderung ihres Lebensraumes wird der Makel zum Vorteil. Mit diesen seltenen und auffälligen Tieren lässt sich gar prächtig repräsentieren und so ließen Königshäuser ihre Kutschen von gefleckten oder getupften Pferden ziehen. Gefleckte Windhunde waren die Begleiter der Adligen auf der Jagd und auch der weiße oder, wie man an Fino sieht, der gescheckte Spitz tauchte in den Königshäusern auf.

Wenn man all diese gefleckten Tiere miteinander vergleicht, dann fällt auf, dass die Verteilung der weißen, farblosen Flächen im Fell nicht nur bei verschiedenen Hunderassen sondern sogar bei verschiedenen Gattungen gleiche Muster bildet ( die Dalmatinertupfen findet man auch bei einer Pferderasse, dem Knabstrupper wieder ). Dem liegt eine Regelmäßigkeit zugrunde, die sich immer wieder finden lässt. Emsige Forscher haben dies untersucht und dabei folgendes festgestellt:

 

Zeigen sich bei einem Tier weiße Stellen im Fell, so ist die geringste Form zunächst ein Fleck auf der Brust. Nimmt der Weißanteil zu wird der Fleck auf der Brust größer, es zeigen sich zudem weiße Zehen – später weiße Pfoten bzw. weiße „Stiefel“ an den Beinen und auch an der Rutenspitze zeigt sich bald ein weißes Ende. In der nächsten Stufe dehnt sich der Fleck auf der Brust zu einem weißen Kragen um den Hals aus. Häufig zeigt sich nun auch im Gesicht ein weißer Strich von der Nase Richtung Stirn. Die Beine sind bei dieser Variante häufig ganz weiß. Dies ist die Farbverteilung, die wir bei Collies zu sehen bekommen.
 

Bei anderen Exemplaren hat sich der weiße Strich im Gesicht zu einer weißen Schnauze ausgedehnt, die in den weißen Kragen übergeht welcher wiederum mit den weißen Beinen verschmolzen ist. Auch die Unterseite des Hundes ist nun weiß. Farbe findet sich dagegen auf dem Oberkopf und um die Augen herum. Auch die Ohren sind farbig. Desweiteren ist die Rückenpartie meist noch durchgehend gefärbt. Dies sind die sogenannten Mantelschecken.
 
Bei der nächsten Stufe hat der Weißanteil die Rückenfärbung durchbrochen. Die farbigen Partien im Hundefell bilden nun wirklich klar erkennbare Flecken.
Schließlich sind die farbigen Partien weniger geworden. Zuletzt findet man sie gar nur noch um Augen oder Ohren und am Rutenansatz. Im Extremfall hat sich der Weißanteil sogar so weit ausgedehnt, dass der Hund völlig weiß erscheint. Nur bei intensiver Betrachtung findet man meist am Kopf noch einzelne farbig Haarsträhnen.
 
Betrachtet man  im Alltag die Hunde, welche einem bei Spaziergängen oder auf Ausstellungen begegnen, so findet man immer – egal um welche Rasse es sich auch handelt diese Ausprägungen. Da das optische Erscheinungsbild eines Hundes natürlich auch stark von den farbigen Partien abhängt, sollte man sich bei diesen Betrachtungen möglichst wirklich nur auf die weißen Flächen konzentrieren.
Zeigen sich bei einem Tier weiße Stellen im Fell, so ist die geringste Form zunächst ein Fleck auf der Brust. Nimmt der Weißanteil zu wird der Fleck auf der Brust größer, es zeigen sich zudem weiße Zehen – später weiße Pfoten bzw. weiße „Stiefel“ an den Beinen und auch an der Rutenspitze zeigt sich bald ein weißes Ende. In der nächsten Stufe dehnt sich der Fleck auf der Brust zu einem weißen Kragen um den Hals aus. Häufig zeigt sich nun auch im Gesicht ein weißer Strich von der Nase Richtung Stirn. Die Beine sind bei dieser Variante häufig ganz weiß. Dies ist die Farbverteilung, die wir bei Collies zu sehen bekommen.
 

Nun haben die Genetiker noch mehr herausgefunden. Ein Hund hat für jedes Merkmal zwei Gene. Eines erbt er von der Mutter, das andere vom Vater. Für jedes dieser Gene wiederum gibt es verschiedene Varianten, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Hat ein Hund zwei gleichartige Gene von den Eltern erhalten ist er für dieses Merkmal reinerbig. Hat er zwei verschiedene Gene bekommen, ist er mischerbig. Diese Gene sind unterschiedlich dominant – manchmal herrscht sogar so etwas wie Demokratie. In jedem Fall bestimmt das durchsetzungsstärkere Gen die sichtbare Ausprägung des Merkmals.

Auch die Scheckung ist ein Merkmal, welches von einem Genpaar bestimmt wird. Dabei bedeutet Scheckung nur das Ausmaß der weißen Partien am Körper. Die Farbe der nichtweißen Flächen wird von gänzlich anderen Genen bestimmt. Hier auch einmal eine kleine Richtigstellung. Der Standard des Deutschen Spitzes spricht beim Schecken von weiß als der Grundfarbe. Dies ist so nicht richtig. Die Grundfarbe eines Schecken zeigt sich immer in den farbigen Partien. Im weißen Fell fehlt das Pigment, welches die Farbe ausbildet, daher ist das was uns weiß erscheint eigentlich nur das Fehlen von Farbe und kann daher keine „Grundfarbe“ sein, weil es gar keine Farbe ist.

Die verschiedenen Gene, die für das Auftreten und die Verteilung der weißen Partien im Fell verantwortlich sind hat man zu einer Serie zusammengefasst. Den Genen der Scheckungsserie. Innerhalb dieser Serie hat man die einzelnen Gene nach ihrer Dominanz sortiert.

Jeder Spitz hat ein Genpaar der Scheckungsserie. Auch die einfarbig „reinerbigen“ Schwarzen, Braunen oder wie auch immer gefärbten. Denn das dominanteste Gen der Scheckungsserie ist das Gen für Einfarbigkeit. Wenn dieses Gen auch nur einfach vorhanden ist, dann wird der Spitz keine weißen Abzeichen zeigen. Dies bedeutet im Umkehrschluß, jeder Spitz mit weißen Flecken im Fell muß ein Gen dafür sowohl vom Vater wie auch von der Mutter erhalten haben.

Die Gene für geringe Weißanteile ( weißer Brustfleck, weiße Pfoten, weiße Rutenspitze ) sind dominanter als die Gene für mehr Weißanteile. Am meisten ordnet sich das Gen für die extreme Ausbreitung des Weißanteiles bei fast völligem Fehlen noch farbiger Partien unter. Allerdings hat man festgestellt, dass es zwischen diesen Genen auch so etwas wie Demokratie gibt. Ist ein Hund bezüglich der Gene für die Scheckungsserie nicht reinerbig, also mit zwei gleichen Genen ausgestattet, so gehen diese Gene untereinander eine Art Kompromiss ein. So erklärt sich, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Arten der weißen Abzeichen fließend ineinander übergehen und jeder Hund, auch wenn er den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten folgt, doch sein individuelles Muster ausbildet.

Gehen wir nun wieder ein wenig in der Zeit zurück. In seinem Artikel „Ein bisschen Spitzgeschichte zitiert Rudolf Schmidt aus den Spitzbroschüren des Vereins für Deutsche Spitze der Jahre 1905/1920: „Erfahrene Züchter empfehlen bei der Zucht weißer Spitze von Zeit zu Zeit die Einkreuzung von schwarzen Hunden. Befinden sich unter diesen Abkömmlingen gescheckte Hündinnen, so sind erfahrungsgemäß diese gerade zur Weiterzucht mit reinweißen Rüden äußerst empfehlenswert.“ Auch aus der bereits erwähnten Verpaarung in England entstand aus Elterntieren in den „klassischen“ durchgezüchteten Farben gescheckter Nachwuchs. Wenn jedoch die Verpaarung von weiß x schwarz gescheckten Nachwuchs ergibt, dann müssen die Elterntiere jeder mindestens ein Gen für weiße Abzeichen besitzen. In Ländern, in denen keine Farbzucht beim Deutschen Spitz betrieben wird, werden häufig weiße Spitze mit gescheckten Spitzen verpaart. Da die Zahl der Schecken nach ihrer Ausgrenzung aus dem Standard noch nicht so groß ist, wird auf diese Weise der Inzucht und ihren Folgen vorgebeugt. Aus diesen Verpaarungen fallen sowohl einfarbige wie auch gescheckte Welpen. Listet man all diese Elterntiere mit gescheckten Nachkommen auf, so erhält man eine große Zahl nicht verwandter Spitze aus wohlbekannten Zwingern, deren Stammbäume sich wahrscheinlich lückenlos über Jahrzehnte zurückverfolgen lassen.

Kommen wir nun zurück zu unserem Gerücht: Der Papillon ist an den Schecken schuld.

Nun, dann müssten zu allen Zeiten und in verschiedenen Ländern seriöse Züchter ihre Spitze mit Papillons gekreuzt und als reinrassige Spitze ausgegeben haben. Und das, obwohl dies Züchter der einfarbigen Varietäten waren und es eigentlich so gar keinen Vorteil bringt einen Papillon in z.B. die schwarze Spitzzucht einzubringen: die Ohren sind zu groß, der Rücken zu lang, dem Fell fehlt die dichte Unterwolle.

Begründet wird das Gerücht auch gerne damit, dass gescheckte Spitze die gleiche Zeichnung wie gescheckte Papillons aufweisen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Papillonbild für diesen Artikel habe ich festgestellt, dass es DIE eine Zeichnung des Scheckmusters beim Papillon gar nicht gibt. Statt dessen zeigt auch der Papillon sämtliche zuvor aufgeführten Ausprägungen weißer Abzeichen wie wir sie auch bei etlichen anderen Hunderassen und auch Katzen finden. Indessen käme niemand auf den Gedanken die Miezekatze des Züchters für die gefleckten Spitzwelpen in der Wurfkiste verantwortlich zu machen.
 

   


Weiße Abzeichen im ansonsten bunten Fell, auch wenn sie so ausgebreitet sind, dass von der Farbe nur noch Flecken übrig sind, mindern weder den Charakter noch die Gesundheit eines Hundes. Auffälligerweise sind gerade bei den Arbeitshunden zahlreiche Rassen mit geschecktem Fell vorhanden ( Jagdhunde: Beagle, Foxhound, Spaniels, Deutsch Kurzhaar, Deutsch Drahthaar, Münsterländer, Englischer Setter – Hütehunde: Collie, Border Collie, Bobtail, Australian Shepherd ). In ihrer Leistung stehen diese Hunde einfarbigen Kollegen in nichts nach, denn gerade diese Rassen werden hauptsächlich auf Leistung selektiert. Daneben bot die bunte Farbe jedoch für die Halter einen zusätzlichen Vorteil. Konnten diese doch ihre Hunde aufgrund der auffälligen Färbung jederzeit von den Wildtieren unterscheiden. Auch bei den Windhunden, deren Hauptkriterium bei der Zuchtauslese die Rennleistung ist, finden wir mit dem Barsoi eine Rasse bei der alle Vetreter gescheckt sind. Aber auch bei Greyhound und Whippet kommen gescheckte Tiere vor. In ihrer Heimat findet man unter den Schlittenhunden ebenfalls häufig gescheckte Exemplare – erst in Europa wurde der Samojede zum reinweißen Hund. 

Das Scheck-Gen gehört zum Spitz dazu wie alle anderen Farben auch. Denn auch wenn der Spitz für uns eine ganz besondere Hunderasse ist, ist er dennoch auch einfach ein Hund für den die Gesetzmäßigkeiten der Genetik gelten.

An dieser Stelle möchte ich gerne zwei Passagen aus der „Der Deutsche Spitz in Wort und Bild“ herausgegeben vom Verein für Deutsche Spitze im Jahre 1954 in 4. Auflage zitieren:

„ Die 7. Generalversammlung tagte am 16.07.1906 in Graßmann Hotel zu Frankfurt a.M. Auf einen Antrag von Wolfsholz, Elberfeld, auch braun, blau und fuchsrot als Farbenvarietät anzuerkennen, gescheckte bei großen Spitzen auszuschließen, bei Kleinspitzen aber die gescheckten stets nachzusetzen, wird beschlossen, alle Farben beim Spitz anzuerkennen, also auch die gescheckten. Gescheckte Spitze sind unter andersfarbig aufzuführen.

„ Mit Recht hat sich der Verein vor Jahren entschlossen, neben Wolfsspitzen, schwarzen und weißen Spitzen, auch die andersfarbigen anzuerkennen und seinen ursprünglich ablehnenden Standpunkt aufzugeben, denn es befinden sich unter diesen höchst typische Vertreter der Rasse. Sehr schön sind jedenfalls die großen roten und mit ein wenig Schwarz durchwolkten Spitze. Aber warum soll man denn nicht auch braune und rahmfarbene Spitze beachten, wenn sie rechte Spitze sind? Denn erst durch den Wettbewerb aller Haar-Spielarten kann man sich ein Urteil über den Wert derselben bilden. Mann sollte daher die Züchter der andersfarbigen Spitze, welche fühlen, dass ihre Lieblinge mehr geduldet als anerkannt sind, durch Ausstellungspreise ermuntern. Vielleicht erscheinen dann auf Ausstellungen bisher noch nicht gesehene Haarspielarten, die ebenfalls viel Anklang finden.“

Zum weiteren Stöbern in den Weiten der Genetik und der Farben kann ich die folgenden Bücher wärmstens empfehlen:

„Genetik der Hundezucht“ von Malcolm B. Willis    ( dieser war auch bei der Anerkennung des German Spitz in England maßgeblich beteiligt. Von ihm stammt auch die Forderung, dass der englische Standard sämtliche Farben und Abzeichen anerkennen müsse. )

„Vererbung beim Hund“ von Inge Hansen

„Die Haarfarben des Hundes“ von Bernard Denis


Mit wedelnden Grüßen diesmal aus Nordrhein-Westfalen

Elke Haaß

 
 
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